Zusammenfassung

Artbeschreibung

Pflanze unterschiedlicher Grössen (5 - 30 (60) cm), sehr dünn, hellgrün, mittel bis stark verkrustet, meistens verzweigt. Sprossachse: (0.1) 0,18 - 0,25 mm dick. Internodien: 2- bis 4- oder 5-mal länger als die Äste, was die Pflanze typischerweise wie eine Perlenkette aussehen lässt. Rinde: ohne. Stacheln: keine. Stipularen: keine. Astquirle: aus 6 Äste im Quirl. Äste: jeder Ast ist weniger als 1 cm lang und 2- bis 3- (oder 5-) strahlig. Alle Endstrahlen sind mehrzellig. Monözisch. Gametangien: an den 2. und 3. Astgabelungen (nie an der ersten); manchmal Schleimhülle am Scheitel. Antheridien: einzeln, klein mit Durchmesser < 0,2 mm, knallorange. Oogonien: einzeln, < 0,45 mm lang, < 0,35 mm breit. Oosporen: hellbraun bis rotbraun, dorsoventral abgeflacht und von vorne betrachtet fast zylindrisch, Länge und Breite zwischen 0,13 - 0,3 mm, mit (5) 7 - 8 nicht oder nur schwach kantigen Rippen und einer netzartigen Aussenwand (unter dem Mikroskop). Bulbillen: fehlend.

Phänologie

Je nach Umweltbedinungen ist Nitella tenuissima einjährig oder mehrjährig. Zwischen Juni und September kann sie eine Vielzahl von Oosporen bilden.

Verwechslungsmöglichkeiten

Nitella tenuissima gehört zu den Nitella-Arten mit mehrzelligen Endstrahlen (Arthrodactylae). Ihre perlenkettenartige Erscheinung kann zur Verwechslung mit der N. hyalina führen. Jene trägt unter jedem Astquirl einen kleinen Kranz von akzessorischen Ästen. Kleinere Individuen von N. tenuissima können mit N. confervacea verwechselt werden, grössere mit N. gracilis. Sie unterscheidet sich von diesen beiden Arten durch das Fehlen von Gametangien an der ersten Astgabelung sowie durch die netzartige, nicht spongiöse Oosporenmembran.

Standort und Verbreitung in der Schweiz

em>Nitella tenuissima konnte 2016 an verschiedenen Stellen des Südufers des Neuenburgersees (Grande Cariçaie) wiederentdeckt werden (siehe Merkblatt über diese National Prioritäre Art).
In der Schweiz ist die Art nie verbreitet gewesen. Früher kam die Art in der Umgebung des Greifensees (ZH), am Nussbaumersee (TG) und am Fusse des Salève in der französisch-genfer Region (F-74) vor.

Allemeine Verbreitung

Kosmopolit.
.

Verbreitungskarte

Einfach

Vor gewähltem Stichjahr
Nach gewähltem Stichjahr
Vor und nach Stichjahr

Erweitert

Farbe der Symbole
Validierte Fundmeldungen
Noch nicht validierte Fundmeldungen
Meldungen aus Atlas Welten & Sutter (1982) und Nachträge (1984, 1994), seither nicht bestätigt
Form der Symbole
Vor gewähltem Stichjahr
Nach gewähltem Stichjahr
Indigen (einheimisch)
Wiederangesiedelt
Eingeführt / Verwilder / Subspontan
Unsicher / Fraglich

Anzahl Fundmeldungen

Weniger als gewähltem Schwellenwert
Mehr als (oder gleich) gewähltem Schwellenwert

Nomenklatur

Volksname

Deutscher Name:
Schirmförmige Glanzleuchteralge
Nom français:
--
Nome italiano:
--

Status

Indigenat   -  -

Ökologie

Die Art besiedelt verschiedenartige Lebensräume: temporäre Kleingewässer, Kiesgruben, Flachwasserzonen des Seelitorals sowie langsam fliessende Wassergräben. Sie wächst auf sandigem bis lehmig-tonigem Substrat in verschiedenen Wassertiefen (0,2 < Tiefe < 2 (8) m). Das Wasser ist oligo- bis mesotroph, stark kalziumhaltig und alkalisch (pH = 7 - 8,5).

Lebensraum

Milieux Phytosuisse (Prunier et al. 2017)

Charakterart I.1.1.1.3 - Nitelletum syncarpae-tenuissimae

Lebensraum Delarze & al. 2015

Charakterart 1.1.1 - Armleuchteralgengesellschaft (Charion)

fett Dominante Art, welche das Aussehen des Lebensraumes mitprägt
Charakterart Charakterart
Weniger strikt an den Lebensraum gebundene Art Weniger strikt an den Lebensraum gebundene Art

Massnahmen

Gefährdungen

Fördermassnahmen

Habitatverlust

Standorte früherer Vorkommen möglichst wiederherstellen bzw. aufwerten.
Alte Abbaustellen von Sand, Kies oder anderen Baurohstoffen erhalten.
Neue Stillgewässer in Auengebieten, Uferbereich von Seen und in Mooren anlegen.

Mangel an Dynamik in aquatischen Lebensräumen

Wiederherstellen einer natürlichen Dynamik in den Fliessgewässern durch mehr Gewässerraum, der Pionierstandorte generiert.
Substrate von einem Teil des Bewuchses (Sumpfpflanzen) befreien und blosslegen.
Es sollten mehrere Kleingewässer in verschiedenen Sukzessionsstadien im Gebiet vorliegen, um die ganze Artenvielfalt erhalten zu können. Ein regelmässiger Unterhalt wird nach dem Rotationsprinzip in Raum und Zeit gestaffelt vorgenommen.

Gewässereutrophierung

Das Wasser muss klar und der Nährstoffgehalt tief gehalten werden (auf oligo- bis mesotrophem Niveau). Nährstoffeinträge verhindern (durch Abschwemmungen, Entwässerungen usw.).
Pufferzonen im Uferbereich so breit wie möglich zum landwirtschaftlichen Produktionsflächen ausscheiden, um Stoffeinträge zu reduzieren.
Im Einzugsgebiet und in unmittelbarer Nachbarschaft zu den Kleingewässern ist eine extensive Bewirtschaftung zu fördern (Landwirtschaftspolitik).

Wissenslücken

Mehr Wissen über die Ökologie und Verbreitung der Art in Erfahrung bringen.
Stillgewässer spezifisch nach der Art absuchen, vor allem in neu geschaffenen oder revitalisierten Gewässern, um neue Vorkommen in der Schweiz entdecken zu können.

Endgültiges Verschwinden

Die Art in revitalisierten Gewässern in der Nähe früherer Standorten wiederansiedeln. Das Umlagern von Sedimenten mit Oosporen in revitalisierte Abschnitte mit Potenzial für die Art ist eine vielversprechende Massnahme.