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Cypripedium calceolus L.

Frauenschuh

Art
SISF: 130400
Checklist: 1014460

Zusammenfassung

Artbeschreibung (© Flora Helvetica 2018)

15-50 cm hoch, mit 2-4 breit-elliptischen, spitzen, stängelumfassenden, fein behaarten Blättern und 1-2, selten 3 Blüten. Die 3 äusseren Perigonblätter bis 5 cm lang, breit-lanzettlich, abstehend, die beiden inneren auf ca. 4/5 der Länge verwachsen und abwärts gerichtet, alle purpurbraun. Lippe sehr gross, bauchig aufgeblasen, gelb, 3-4 cm lang. Kein Sporn.

Blütezeit (© Flora Helvetica 2018)

5-6(-7)

Standort und Verbreitung in der Schweiz (© Flora Helvetica 2018)

Wälder, Gebüsche / kollin-subalpin / CH

Verbreitung global (© Flora Helvetica 2018)

Eurasiatisch

Ökologische Zeigerwerte (© Flora Helvetica 2018)

3w42-33+3.g.2n=20,22

Status

Status IUCN

 Verletzlich (VU)

Nationale Priorität

 4 - Mässige nationale Priorität

Internationale Verantwortung

 1 - Gering

Erhalten/Fördern

Gefährdungen


Kleine, isolierte Vorkommen
Mangelnde populationsbiologische und ökologische Kenntnisse
Zuwachsen, Beschattung, Verbuschung, Konkurrenz
Zerstörung des Lebensraums (Wegbau, Forststrassen, Bautätigkeit, Meliorationen, Düngung und Drainage von Nassstandorten, touristische Erschliessungen)
Ungeeignete Forstwirtschaft (zu intensiv, befahren mit Maschinen, Rücken von Holz, Monokulturen, standortsfremde Anpflanzungen)
Ungeeignete Pflege (Mahd der Weg-/Strassenränder während der Vegetationszeit)
Pflücken, Ausgraben, Fotografieren
Änderung Wasserregime, Grundwasserabsenkung
Unwissenheit
Waldweide
Fehlen von Waldpionierflächen im Mittelland und Jura (z.B. Föhren- oder Fichten-Pionierwälder auf ehemaligen Wiesen oder anderen Störstellen)

Anatomie

Zusammenfassung der Stammanatomie

Umriss rund gewellt. Leitbündel diffus verteilt. Epidermiszellen nicht verholzt.

Beschreibung (Englisch)

Culm-diameter 2-5 mm, wall very large, radius of culm in relation to wall thickness approximately 1:0.75. Outline circular wavy. Center hollow and surrounded by many large thin-walled, not lignified cells. Without cortex/cylinder separation. Epidermis cells thin-walled all around. Large vascular bundles distributed in the whole culm. Sclerenchymatic sheath around vascular bundles one-sided large, 2-4 cells, centripetal. Vessel arrangement horseshoe-like. Largest vessel in the bundle 20-50 μm. Cavities (intercellulars) between parenchyma-cells small, often triangular.

Verbreitungskarte (Atlas)

Letzte Datenaktualisierung:
Die Daten werden soweit möglich einmal pro Tag aktualisiert.

Einfach

Vor gewähltem Stichjahr
Ab dem Stichjahr
Vor und nach dem Stichjahr

Erweitert

Farbe der Symbole
Validierte Fundmeldungen
Noch nicht validierte Fundmeldungen
Meldungen aus dem Atlas Welten & Sutter (1982) und den Nachträgen (1984, 1994), seither nicht bestätigt
Form der Symbole
Vor gewähltem Stichjahr
Ab dem Stichjahr
Indigen (einheimisch)
Wiederangesiedelt
Eingeführt / verwildert / subspontan
Unsicher / Fraglich

Anzahl Fundmeldungen

Weniger als der gewählte Schwellenwert
Soviel oder mehr als der gewählte Schwellenwert
Form der Symbole
Talflächen Bergflächen
reichliches oder häufiges Vorkommen
spärliches oder seltenes Vorkommen
H Angaben aus Herbarien
L Angaben aus der Literatur
Farbe der Symbole
Meldungen aus dem Atlas Welten & Sutter (1982)
Vorkommen aus den Nachträgen 1984
Vorkommen aus den Nachträgen 1994

Verbreitung in der Schweiz (© Flora Helvetica 2018)

CH

Verbreitung global (© Flora Helvetica 2018)

Eurasiatisch

Ökologie

Lebensform

Geophyt

Lebensraum

Lebensraum © Delarze & al. 2015

fett
Dominante Art, welche das Aussehen des Lebensraumes mitprägt
Charakterart
Charakterart
Weniger strikt an den Lebensraum gebundene Art
Weniger strikt an den Lebensraum gebundene Art

Ökologische Zeigerwerte nach © Landolt & al. (2010)

Bodenfaktoren Klimafaktoren Salztoleranz
Feuchtezahl F 3w Lichtzahl L 3 Salzzeichen
Reaktionszahl R 4 Temperaturzahl T 3+
Nährstoffzahl N 2 Kontinentalitätszahl K 3
Legende zu den Zeigerwerten

Feuchtezahl F

1
sehr trocken
1+
trocken
2
mässig trocken
2+
frisch
3
mässig feucht
3+
feucht
4
sehr feucht
4+
nass
5
überschwemmt, bzw. unter Wasser
f
im Bereich von fliessendem Bodenwasser
u
in der Regel im Wasser untergetaucht
v
mit untergetauchten und schwimmenden Organen
w
Feuchtigkeit mässig wechselnd (± 1-2 Stufen)
w+
Feuchtigkeit stark wechselnd (mehr als ± 2 Stufen)

Reaktionszahl R

1
stark sauer (pH 2.5-5.5)
2
sauer (pH 3.5-6.5)
3
schwach sauer bis neutral (pH 4.5-7.5)
4
neutral bis basisch (pH 5.5-8.5)
5
basisch (pH 6.5->8.5)

Nährstoffzahl N

1
sehr nährstoffarm
2
nährstoffarm
3
mässig nährstoffarm bis mässig nährstoffreich
4
nährstoffreich
5
sehr nährstoffreich bis überdüngt

Salztoleranz

1
salztolerant
3
salzabhängig

Lichtzahl L

1
sehr schattig
2
schattig
3
halbschattig
4
hell
5
sehr hell

Temperaturzahl T

1
alpin und nival (von der Baumgrenze bis zur Schneegrenze)
1+
unter-alpin, supra-subalpin und ober-subalpin (Arven-Lärchenwälder)
2
subalpin (Fichtenwälder ohne Buchen bis zur Obergrenze der Fichte)
2+
unter-subalpin und ober-montan
3
montan (Wälder mit Buche, Weisstanne, in den Zentralalpen mit Waldföhre)
3+
unter-montan und ober-kollin
4
kollin (Laubmischwälder mit Eichen)
4+
warm-kollin
5
sehr warm-kollin (nur an wärmsten Stellen, Hauptverbreitung in Südeuropa)

Kontinentalitätszahl K

1
ozeanisch (sehr hohe Luftfeuchtigkeit, sehr geringe Temperaturschwankungen, milde Winter)
2
subozeanisch (hohe Luftfeuchtigkeit, geringe Temperaturschwankungen, eher milde Winter)
3
subozeanisch bis subkontinental (mittlere Luftfeuchtigkeit, mässige Temperaturschwankungen und mässig tiefe Wintertemperaturen)
4
subkontinental (niedrige relative Luftfeuchtigkeit, grosse Temperaturschwankungen, eher kalte Winter)
5
kontinental (sehr niedrige Luftfeuchtigkeit, sehr grosse Temperaturschwankungen, kalte Winter)

Abhängigkeit vom Wasser

Flüsse 1 - Zusatz- oder Nebenlebensraum
Ruhiges Wasser 0 - unbedeutend, keine Bindung.
Grundwasser 0 - unbedeutend, keine Bindung.

Nomenklatur

Gültiger Name (Checklist 2017)

Cypripedium calceolus L.

Volksname

Deutscher Name:
Frauenschuh
Nom français:
Sabot de Vénus
Nome italiano:
Pianelle della Madonna

Übereinstimmung mit anderen Referenzwerken

Beziehung Name eingeben Referenzwerke Nr.
=Cypripedium calceolus L.Checklist 2017130400
=Cypripedium calceolus L.Flora alpina 2004148.1.1
=Cypripedium calceolus L.Flora Helvetica 20012933
=Cypripedium calceolus L.Flora Helvetica 20122517
=Cypripedium calceolus L.Flora Helvetica 20182517
=Cypripedium calceolus L.Index synonymique 1996130400
=Cypripedium calceolus L.Landolt 1977717
=Cypripedium calceolus L.Landolt 1991625
=Cypripedium calceolus L.SISF/ISFS 2130400
=Cypripedium calceolus L.Welten & Sutter 19822515
=
Taxon stimmt mit akzeptiertem Taxon überein (Checklist 2017)
<
Taxon ist im akzeptierten Taxon (Checklist 2017) enthalten
>
Taxon enthält (neben anderen) auch das akzeptierte Taxon (Checklist 2017)

Status

Indigenat

Indigen

Liste der gefährdeten Pflanzen IUCN (© Walter & Gillett 1997):   Nein

Status Rote Liste national

Status IUCN: Verletzlich

Verletzlich

Zusätzliche Informationen

Kriterien IUCN: B2ab(iii)

Status Rote Liste regional 2019

Biogeografische Regionen Status IUCN Kriterien IUCN
Jura (JU) ENA3c
Mittelland (MP) VUA3c
Alpennordflanke (NA) VUA3c
Alpensüdflanke (SA) VUA3c
Östliche Zentralalpen (EA) VUA3c
Westliche Zentralalpen (WA) VUA3c
Legende
EX
weltweit ausgestorben (Extinct)
RE
regional beziehungsweise in der Schweiz ausgestorben (Regionally Extinct)
CR(PE)
verschollen, vermutlich in der Schweiz ausgestorben (Critically Endangered, Probably Extinct)
CR
vom Aussterben bedroht (Critically Endangered)
EN
stark gefährdet (Endangered)
VU
verletzlich (Vulnerable)
NT
potenziell gefährdet (Near Threatened)
LC
nicht gefährdet (Least Concern)
DD
ungenügende Datengrundlage (Data Deficient)
NE
nicht beurteilt (Not Evaluated)
NA
nicht anwendbar (Not Applicable)

Status nationale Priorität/Verantwortung

Handlungsebene LF (+GL) - Spezifische Lebensraumförderung
Hinweise zur Handlungsebene 1 - Nationaler Aktionsplan bestehend
Bestandsüberwachung 2 - genügend
Internationale Verantwortung der Schweiz 4 - Verantwortung
Dringlichkeit 3 - wünschbar und sinnvoll
Sicherung Einzelvorkommen

Schutzstatus

International (Berner Konvention) Ja
AGVollständig geschützt (01.01.2010)
BEVollständig geschützt (01.01.2016)
GLVollständig geschützt (07.05.2006)
VDVollständig geschützt (29.05.2025)
JUVollständig geschützt (06.12.1978)
NEVollständig geschützt (01.08.2013)
OWVollständig geschützt (01.04.2013)
SOVollständig geschützt (23.02.1972)
Schweiz Vollständig geschützt
URVollständig geschützt (01.07.2009)
ZGVollständig geschützt (01.10.2013)
ZHVollständig geschützt (03.12.1964)
TIVollständig geschützt (23.01.2013)
ARVollständig geschützt (01.01.1995)
AIVollständig geschützt (13.03.1989)
BLVollständig geschützt (01.01.2012)
FRVollständig geschützt (01.07.2014)
Disclaimer
InfoFlora übernimmt die Angaben über geschützte Arten mit grösstmöglicher Sorgfalt aus den jeweiligen kantonalen Gesetzestexten. Vielfach konnten aber die in Gesetzestexten aufgeführten Pflanzennamen nicht ohne taxonomische oder nomenklatorische Interpretation übernommen werden. Die genaue Bedeutung der Kategorien „vollständig geschützt“ und „teilweise geschützt“ ist je nach Kanton unterschiedlich.

InfoFlora kann die Korrektheit und Vollständigkeit der Angaben zum Schutzstatus nicht garantieren. Im Zweifelsfall verweisen wir auf die Gesetzestexte in den jeweiligen Kantonen.

Status in sektoriellen Umweltpolitiken

Umweltziele für die Waldbewirtschaftung: Z - Zielart weitere Informationen

Crop Wild Relatives

Crop Wild Relative-Art

Erhalten/Fördern

Gefährdungen und Massnahmen

Kleine, isolierte Vorkommen


Schutz der Fundstellen (Mikroreservate)
Regelmässige Bestandskontrollen (Monitoring)
Feldkontrolle aller älteren Populationen
Ex-situ Vermehrung von indigenem Material (Samen) und Wiederansiedlung an ursprünglichen Fundstellen, Verstärkung bestehender Populationen

Mangelnde populationsbiologische und ökologische Kenntnisse


Abklären der bestimmenden arealökologischen Faktoren, der wechselseitigen Beziehung Keimpilz/ Pflanze und deren Abhängigkeit von abiotischen und biotischen Faktoren, des klonalen Wachstums, der Populationsdynamik in Abhängigkeit der Veränderung der Habitate u.a.

Zuwachsen, Beschattung, Verbuschung, Konkurrenz


Betroffene Fundstellen ausholzen oder entbuschen
Lichtbaumarten wie Esche und Föhre fördern
Reduktion von Konkurrenten (v.a. Rubus-Arten)

Zerstörung des Lebensraums (Wegbau, Forststrassen, Bautätigkeit, Meliorationen, Düngung und Drainage von Nassstandorten, touristische Erschliessungen)


Priorität für den Artenschutz bei der Erstellung neuer Projekte in bestehenden Fundstellen
Neue Anlagen oder Arbeiten verbieten, wenn sie dem Artenschutz zuwiderlaufen
Vorkommen an Naturschutzfachstellen und zuständigen Gemeinden melden
Alle möglichen Akteure informieren und sensibilisieren
Lokale Patenschaften einrichten

Ungeeignete Forstwirtschaft (zu intensiv, befahren mit Maschinen, Rücken von Holz, Monokulturen, standortsfremde Anpflanzungen)


Angepasste, lichte offene Wälder fördernde Bewirtschaftung
Naturwaldreservate, Altholzinseln und Teilreservate schaffen
Naturnaher Waldbau fördern
Holz an den Fundorten nicht oder nur bei stark gefrorenem Boden herausziehen

Ungeeignete Pflege (Mahd der Weg-/Strassenränder während der Vegetationszeit)


Mähen nach dem Absamen (abhängig von Meereshöhe und Exposition: im Wald ≥ Oktober, in LN ≥ August)
Zusammenarbeit mit Pflegeteams, um die ideale Pflege zu finden und zu fördern

Pflücken, Ausgraben, Fotografieren


Weitere Pflanzenschutzgebiete initiieren
Öffentlichkeit informieren und sensibilisieren (Informationstafeln)
Problematische Gebiete einzäunen oder während der Blütezeit überwachen

Änderung Wasserregime, Grundwasserabsenkung


Natürliche Flussdynamik fördern
Renaturierung

Unwissenheit


Grundbesitzer und Förster über Vorkommen und geeignete Pflege informieren, Bewirtschaftungsverträge abschliessen

Waldweide


Einzäunen von gefährdeten Vorkommen (und angemessen pflegen)
Beweidung extensivieren

Fehlen von Waldpionierflächen im Mittelland und Jura (z.B. Föhren- oder Fichten-Pionierwälder auf ehemaligen Wiesen oder anderen Störstellen)


Ermöglichen von Sukzessionsfolgen auf nährstoffarmen, kalkhaltigen, lehmig-mergeligen Böden

In-situ Massnahmen

Mehr Informationen

Merkblatt ArtenschutzINPN MNHN: Le Sabot de Vénus (Cypripedium calceolus L.)C. Gnägi, 2016: Cypripedium calceolus, Aktionsplan Orchideen Kt. Bern, Pro NaturaSCNAT, 2018: Conservation et promotion de Cypripedium calceolus - collaboration entre pratique et recherche, Rapport du workshopB. Schatz et al., 2014: Conservation du Sabot de Vénus en France: bilan et préconisation, Cah. Soc. Fr. Orch., N 8F. Nicolè, E. Brzosko, I. Toll-Bottraud, 2005: Population viability analysis of Cypripedium calceolus in a protected area: longevity, stability and persistence, Journal of Ecology 93, 716 –726F. Nicolè, 2005: Biologie de la conservation appliquée aux plantes menacées des Alpes. Ecologie, Environnement. Université Joseph-Fourier - Grenoble I, Français.A. Jakubska-Busse, S. Tsiftsis, M. Śliwiński, Z. Křenová, V. Djordjević, C. Steiu, M. Kolanowska, P. Efimov, S. Hennigs, P. Lustyk, K. Kreutz, 2021: How to Protect Natural Habitats of Rare Terrestrial Orchids Effectively: A Comparative Case Study of CypriLUBW Baden-Württenberg: Artensteckbrief - Frauenschuh - Cypripedium calceolus LinnaeusR. Gargiulo and al., 2021: Combining current knowledge of Cypripedium calceolus with a new analysis of genetic variation in Italian populations to provide guidelines for conservation actionsT. Zanini, 2023: Piano d'azione specifico per Cypripedium calceolus (L.) nel Cantone Ticino