08-07-2025 Info
Menu du mois im August: Ein kaltes Plättli mit alpinen Spezialiäten
Um euch die Feldarbeit zur Roten Liste noch schmackhafter zu machen, präsentieren wir euch diese Saison peu à peu ein Menü an ausgesuchten «Missionen Entdecken» zu seltenen Arten, die es, unter vielen anderen, zu (be)suchen lohnt. Im August ist der Sommer definitiv auch in der Höhe angekommen. Auf dem Menüplan steht darum jetzt ein kaltes Plättli mit einer Auswahl von alpinen Missionen.
Das raue Klima fordert von den spezialisierten Alpenpflanzen eine kompakte Wuchsform (z.B. als Rosette oder Polster) und Schutzmechanismen wie Haare, ledrige Blätter oder Wachsschichten, um sich vor Wind, Austrocknung und Frass zu schützen. Kommt dann der Sommer, kurz und unbeständig, gilt es dringend zu blühen und fruchten. Viele insektenbestäubte Arten locken darum mit überproportional grossen und besonders köstlich duftenden Blüten um die Aufmerksamkeit der vorbeifliegenden Bestäuber zu gewinnen. In der kargen Bergwelt leuchten die Alpenblumen so umso mehr, regen unbeabsichtigter Weise auch den Appetit von uns menschlichen Blütenbesucherinnen an und locken uns auf alpine Mission-Flora-Missionen.
Auch wenn die alpinen Lebensräume noch relativ naturnah sind, nimmt auch hier der Druck stetig zu: Immer mehr menschliche Infrastruktur bedrängt die Wildnis und auch der Klimawandel betrifft die höheren Lagen besonders stark. Durch ihre häufig kleinräumige und inselartige Verbreitung und ihr langsames Wachstum sind alpine Arten besonders anfällig für eine Gefährdung und können die schnellen Veränderungen ihres Lebensraumes oft nur ungenügend abfedern. Umso wichtiger ist es, die Entwicklung alpiner Arten genau zu beobachten und ihren Status in der nächsten Roten Liste akurat abzubilden.
Gentiana aspera © Adrian Möhl
Auf unserem Mission-Flora-Plättli servieren wir statt Trockenfleisch und Alpkäse einige einige alpine Überlebenskünstler und dekorieren grosszügig mit grossblütigen Bergschönheiten. Wer sich von zähen Polstern, Rosetten und Behaarungen nicht den Appetit verderben lässt, kann sich auf die Suche nach dem Weichhaarigen Mannsschild Androsace pubescens, der Gletscher-Edelraute Artemisia glacialis, dem dorniger Tragant Astragalus sempervirens, der Fiederrauke Murbeckiella pinnatifida, dem Schweizer Spitzkiel Oxytropis helvetica, der Niedrigen Alpenscharte Saussurea alpina subsp. depressa, dem Rundblättrigen Fettkraut Sedum anacampseros oder dem Stein-Klee Trifolium saxatile machen.
Wer mehr Appetit auf bunte Blumen hat, dem empfehlen wir Missionen zu den spätblühenden Enzianen (Gentiana anisodonta, G. aspera, G. engadinensis, G. germanica), zur Kärntner Saumnarbe Lomatogonium carinthiacum, zu Christs Augentrost Euphrasia christii, zu einem alpinen Berufskraut (Erigeron atticus, E. gaudinii), zum Farnblättrigen Läusekraut Pedicularis aspleniifolia zur rätischen Rapunzel Phyteuma hedraianthifolium, zum Alpen-Helmkraut Scutellaria alpina, zu Pachers Löwenzahn Taraxacum pacheri oder zum Weidenblättrigen Baldrian Valeriana saliunca. Und wer auch in der Höhe Aquatisches bevorzugt, dem empfiehlt sich eine Expedition zur Island-Sumpfkresse Rorippa islandica oder eine alpine Mission Teich und Tümpel.
Scutellaria alpina © Christophe Bornand