Schließen
< Zurück

«Flora neglecta»

01-09-2026 Info

Die Welt der Sauergräser

«Flora neglecta» – so wäre wohl die treffendste Bezeichnung für diejenigen, die immer wieder übersehen werden. Das Jahresthema von InfoFlora ist ganz den kleinen und oft übergangenen Pflänzchen gewidmet. Jetzt, wo sich der Sommer dem Ende zuneigt, ist es noch einmal an der Zeit, die «Übersehenen und Unbeachteten» in den Mittelpunkt zu stellen. Nach dem Dürresommer 2026 sehen viele der ohnehin Unauffälligen nun noch magerer und farbloser aus – doch die Niederschläge zum Sommerende dürften dafür sorgen, dass diejenigen, welche in den Startlöchern gewartet haben, nun umso üppiger wachsen können. Die unliebsame Konkurrenz ist durch den Sommer verdorrt und mit genügend Feuchtigkeit dürften sich Cyperus flavescens & Co im September besser entwickeln als gewohnt. Challenge accepted? Missionen, bei welchen man den Spürsinn für die einfach zu Übersehenden trainieren kann, gibt es auf jeden Fall genug. Im Angebot wäre da zum Beispiel:

Gelbliches Zypergras (Cyperus flavescens): Die einjährige Art kann wirklich mit Leichtigkeit übersehen werden. Mit ihren goldgelben, schön symmetrisch angeordneten Ährchen ist sie jedoch eine echte Schönheit, wenn man sie von nahem betrachtet. Auch vom dunkel überlaufenen Schwarzbraunen Zypergras (Cyperus fuscus) ist sie einfach zu unterscheiden. Im Nordtessin warten noch zwei Missionen darauf, erledigt zu werden – wer eher auf die Dunkle (Cyperus fuscus) steht, findet im Wallis noch unerledigte Missionen. Und wer weiss – vielleicht kommen dank unserem Aufruf sogar noch weitere Stellen an den Tag, von denen wir bisher nicht gewusst haben. Denn die beiden einjährigen Unscheinbaren sind immer wieder für eine Überraschung zu haben!

 

Cyperus flavescensGelbliches Zypergras (Cyperus flavescens), Adrian Möhl, bearbeitet, CC BY-NC-SA 4.0

 

Borstige Moorbinse (Isolepis setacea): Die Borstige Moorbinse steht den beiden Zwergen aus der Gattung Cyperus in keiner Weise nach, wenn es darum geht, sich vor uns zu verstecken. Das zarte Pflänzchen mit den seitenständigen Ährchen bleibt meist kleiner als handbreit und betreibt eine echte Camouflage. Früher in der ganzen Schweiz verbreitet, ist sie heute eine grosse Seltenheit geworden. In Zürich und im Waadtland warten noch zwei Missionen darauf, erledigt zu werden – wer gewinnt den Moorbinsen-Award?

 

Isolepis setaceaBorstige Moorbinse (Isolepis setacea), Michael Jutzi, bearbeitet, CC BY-NC-SA 4.0

 

Carices der alpinen Stufe: Klare Sicht und Herbstfarben laden zu langen und ausgedehnten Bergwanderungen ein. Auch wenn die grosse Zeit der Seggen im September vorbei ist, so lassen sich viele Arten auch jetzt noch gut bestimmen. Klein und leicht zu übersehen ist zum Beispiel die Binsenblättrige Segge (Carex maritima). Wer im Bündnerland oder in Zermatt unterwegs ist, könnte zu dieser Art noch die eine oder andere Mission erledigen und so einen wertvollen Beitrag zur Roten Liste liefern. Wem diese Art zu klein und unscheinbar ist, kann sein Glück auch mit Missionen zur Schwarzroten Segge (Carex atrofusca) oder der Norweger Segge (Carex norvegica) versuchen.

 

Carex maritimaBinsenblättrige Segge (Carex maritima), Rolf Heeb, bearbeitet, CC BY-NC 4.0

 

Lust, selbst auf Spurensuche zu gehen? In FlorApp findet ihr unter Missionen > Themen > Cyperaceae alle Missionen zu den unscheinbaren Sauergräsern und Seggen. Dort nach Art und Status filtern – viel Erfolg beim Entdecken!