Gelbe Blüten, grosse Bestände – und schon wird ausgerissen, gemäht oder gegraben. Doch Vorsicht: nicht alles, was in grosser Zahl vorkommt, ist eine invasive Art. Immer wieder erreichen uns Meldungen von Personen, die vermeintlich invasive Neophyten ausreissen – etwa den harmlosen Kleinköpfigen Pippau (Crepis capillaris). Gleichzeitig sorgt das giftige, aber einheimische Jakobs Greiskraut (Senecio jacobaea) für Diskussionen mit Landwirti:nnen. Ein genauer Blick lohnt sich also. Je nach Art gelten unterschiedliche rechtliche Grundlagen und Massnahmen. Drei Beispiele zeigen, wie unterschiedlich die Situation sein kann.
Jakobs Greiskraut (Senecio jacobaea)
Diese einheimische Pflanze ist für Weidetiere giftig und wird in der Landwirtschaft oft als Problempflanze gesehen. Dennoch ist sie nicht invasiv. Für die Weidepflege kann sie tatsächlich problematisch sein. Jahrhunderte alte Erfahrungen zeigen jedoch, wer seine Flächen regelmässig bewirtschaftet, hält sie gut in Schach. Sie blüht im Sommer und bietet gleichzeitig Nektar und Pollen für zahlreiche Insektenarten; zudem ist sie Wirts- und Futterpflanze für spezialisierte Schmetterlingsraupen. Mehrere Kantone, darunter Freiburg, informieren gezielt über den Umgang mit solchen «Problempflanzen» – und unterscheiden klar zwischen einheimischen und gebietsfremden invasiven Arten.
Südafrikanisches Greiskraut (Senecio inaequidens)
Hier handelt es sich tatsächlich um einen invasiven Neophyten. Der Umgang ist gemäss Freisetzungsverordnung verboten (Art. 15, FrSV); die Bekämpfung ist erlaubt, sofern die Pflanzen korrekt entsorgt werden (auf keinen Fall liegen lassen). Ihr hohes Schadenspotenzial betrifft einerseits die Gesundheit, da die Pflanze für Menschen und Nutztiere stark giftig ist, und andererseits die Biodiversität, weil sie einheimische Arten verdrängen kann. In vielen Gemeinden – etwa in der Stadt Bern – gibt es koordinierte Aktionen zur Neophytenbekämpfung, bei denen sich Freiwillige engagieren können.
Kleinköpfiger Pippau (Crepis capillaris)
Diese Art ist einheimisch und ökologisch wertvoll. Sie blüht lange und liefert dadurch Nahrung für zahlreiche Wildbienen über mehrere Monate. Grössere Bestände gehören zu ihrer natürlichen Biologie und tragen zur Insektenvielfalt in städtischen und ländlichen Lebensräumen bei. Dominante einheimische Arten wie diese sind kein Grund zur Sorge – das Ausreissen schadet mehr, als es nützt.
Bevor man also zur Hacke greift: lieber genau hinschauen. Nur so lassen sich invasive Neophyten gezielt bekämpfen – und gleichzeitig unsere einheimische Flora schützen.