Zusammenfassung

Artbeschreibung

Feine, kleine bis mittelgrosse Pflanzen, Sprosse in der Regel zwischen 5 - 50 cm lang. Exemplare im Seeuferlitoral heimischer Seen werden meist nicht länger als 10 - 15 cm. Oft mit Kalk verkrustet. Sprossdurchmesser : 0,3 - 0,5 mm. Internodien: Überlange Internodien im Vergleich zu den extrem kurzen Ästen, zwischen 3 und 10 cm lang. Rinde: in der Regel diplostichtylacanth, sehr selten auch isostich. Stacheln : kleine, abgerundete Stacheln, einzeln stehend. Stipularen : zweireihig angelegt, sehr kurz, unscheinbar. Astquirl : bestehend aus 6 - 8 Ästen. Äste : extrem kurz, nur wenige Millimeter lang, in der Regel nur aus 3 Astgliedern bestehend, oft nach innen gegen die Achse gebogen. Die Art ist monözisch. Gametangien: Lediglich 1 Paar Gametangien pro Ast, diese immer am - ersten Astglied stehend. Antheridium: rötlich, Durchmesser : 0,3 - 0,4 mm, solitär. Oogon: orangefarben, die Blättchen sind kürzer als das Oogon, dieses weist eines Länge zwischen 0,65 - 0,9 mm und eine Breite von 0,45 - 0,6 mm auf (ohne Krönchen), solitär. Oospore: dunkelbraun bis schwarz, langgestreckt, mit 11-14 Rippen, diese deutlich hervortretend (verkalkt zur Gyrogonit). Länge: 0,5 - 0,7 mm, Breite: 0,35 - 0,45 mm. Bulbillen : fehlend.

Phänologie

Chara filiformis ist einjährig. Die Pflanze stirbt im Spätherbst bzw. Winter (je nach Standort) ab und überdauert als Oospore oder als verdickter Sprossknoten, der mit Reservestoffen angefüllt ist. Die Pflanze erscheint bei uns im Frühsommer (Juni) und fruktifiziert zwischen Juli und September.

Verwechslungsmöglichkeiten

Chara filiformis ist in ihrer typischen Ausprägung leicht zu erkennen. Mitunter kann sie jedoch mit verkümmerten Exemplaren von Chara contraria verwechselt werden. Wichtige Artunterscheidungsmerkmale gegenüber C. contraria sind bei C. filiformis die extrem kurzen Äste, die in der Regel nur aus 3 Astgliedern bestehen, die Blättchen, die kürzer sind als das Oogon und die Existenz von nur einem Gametagienpaar pro Ast, welches immer am Ende des ersten Astgliedes sitzt. Der Artstatus von C. filiformis ist noch umstritten, sie könnte möglicherweise eine Standortmodifikation von C. contraria darstellen.

Standort und Verbreitung in der Schweiz

Die Art ist gegenwärtig nur aus vier nährstoffarmen Seen (Ägerisee, Sarnersee, Walensee und Vierwaldstättersee) bekannt. Früher kam sie auch im Zürichsee, im Genfersee, im Lac des Taillères und im Lac de Joux vor. Die grössten Vorkommen gibt es derzeit im Vierwaldstättersee und dort vor allem in der Luzerner Bucht.

Allemeine Verbreitung

Chara filiformis ist eine rein europäische Art und weist einen Verbreitungsschwerpunkt im Nordostdeutschen Tiefland, im Baltikum, in Nordost-Polen und in Südschweden auf. Auch aus dem westlichen Russland wird die Art beschrieben. Die Faden-Armleuchteralge erreicht in der Schweiz die Westgrenze ihres Verbreitungsgebietes.
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Verbreitungskarte

Einfach

Vor gewähltem Stichjahr
Nach gewähltem Stichjahr
Vor und nach Stichjahr

Erweitert

Farbe der Symbole
Validierte Fundmeldungen
Noch nicht validierte Fundmeldungen
Meldungen aus Atlas Welten & Sutter (1982) und Nachträge (1984, 1994), seither nicht bestätigt
Form der Symbole
Vor gewähltem Stichjahr
Nach gewähltem Stichjahr
Indigen (einheimisch)
Wiederangesiedelt
Eingeführt / Verwilder / Subspontan
Unsicher / Fraglich

Anzahl Fundmeldungen

Weniger als gewähltem Schwellenwert
Mehr als (oder gleich) gewähltem Schwellenwert

Nomenklatur

Volksname

Deutscher Name:
Faden-Armleuchteralge
Nom français:
--
Nome italiano:
--

Status

Status Rote Liste national 2012

Status IUCN:   Ungenügende Datengrundlage

LC: Non menacé

Zusätzliche Informationen

Kriterien IUCN: --

  • Legende
    EXweltweit ausgestorben (Extinct)
    REregional beziehungsweise in der Schweiz ausgestorben (Regionally Extinct)
    CR(PE)verschollen, vermutlich in der Schweiz ausgestorben (Critically Endangered, Probably Extinct)
    CRvom Aussterben bedroht (Critically Endangered)
    ENstark gefährdet (Endangered)
    VUverletzlich (Vulnerable)
    NTpotenziell gefährdet (Near Threatened)
    LCnicht gefährdet (Least Concern)

Liste der gefährdeten Pflanzen IUCN (Walter & Gillett 1997)

Nein

Status nationale Priorität/Verantwortung

Nationale Priorität 3 - Mittlere nationale Priorität
Massnahmenbedarf 1 - Möglicher (unsicherer) Massnahmebedarf
Internationale Verantwortung 1 - Gering
Überwachung Bestände 1 - Überwachung ist eventuell nötig

Schutzstatus

International (Berner Konvention) Nein
Kantonal--
Schweiz --

Ökologie

Die Faden-Armleuchteralge besiedelt in einheimischen Gewässern nur die Flachwasserzone in Tiefen zwischen 0,2 und 4 m. Das Tiefenoptimum scheint bei 0,5 bis 2,5 m zu liegen. Sie bevorzugt eindeutig klare, oligo- bis mesotrophe, kalkreiche Gewässer (Leitfähigkeit 244-346 µS/cm). Sie wächst auf verschiedenen Feinsubstraten mit unterschiedlichen Korngrössen, von kiesigem Sand bis zur Kalkmudde. Sie ist nicht eutrophierungstolerant.

Chara filiformis ist ein Lichtkeimer und bevorzugt helle, lichtreiche Wuchsorte. Aufgrund ihrer Kleinwüchsigkeit ist sie nur konkurrenzkräftig, wenn durch fehlende Nährstoffe oder durch Störungen offene bzw. lückige Stellen am Gewässerboden vorhanden sind.

Chara filiformis wächst sowohl in Rein- als auch in Mischbeständen, häufig als Begleitart in lockeren Characeenrasen, die auch mit Laichkrautarten durchsetzt sein können. Oft ist sie auch an Rändern dichter Chara-Bestände, z.B. Chara tomentosa, zu finden oder als Erstbesiedler in Bestandslücken, zusammen mit Chara contraria.

Lebensraum

Milieux Phytosuisse (Prunier et al. 2017)

Charakterart I.1.2.2.3 - Charetum contrariae

Lebensraum Delarze & al. 2015

KEINE ANGABE

Mesures

Gefährdungen

Fördermassnahmen

Habitatverlust

Flachwasserzonen in nährstoffarmen Gewässern erhalten bzw. neu anlegen.

Mangel an Dynamik in aquatischen Lebensräumen

Eine natürliche Gewässerdynamik wiederherstellen, die Pionierlebensräume generiert und dafür mehr Raum bereitstellen.

Gewässereutrophierung

Für oligotrophe Verhältnisse sorgen. Die Nährstoffkonzentration auf einem oligo- bis mesotrophen Niveau halten.
Im Uferbereich breite Pufferstreifen mit Sumpf- und Gebüschzonen, Hecken- und Waldstreifen usw. erhalten.
Verhindern, dass grosse Nährstofffrachten über Oberflächenabflüsse, Drainagen usw., ins Gewässer gelangen.
Sowohl im Einzugsgebiet als auch in der unmittelbaren Umgebung des Gewässers eine extensive Bewirtschaftung mit den Instrumenten der Landwirtschaftspolitik fördern.

Wissenslücken

Die Verbreitung der Art wurde in den letzten Jahren gezielt untersucht. Weitere Vorkommen sind jedoch zu erwarten, insbesondere im Lac de Joux kommt die Art wahrscheinlich vor. Gezielte Nachsuche in oligo- bis mesotrophen Gewässern sind wünschenswert, da die Höhenverbreitung der Art bislang ungeklärt ist.